Worte als Geschenke.
Das Wort „aber“ hat keinen guten Ruf. Es ist das Wort der Altklugen, der Nörgler, der Besserwisser, der Mischlinge und Bisexuellen. Es ist das Wort derer, die Bordeaux trinken aus Überheblichkeit, wenn die anderen Bier bestellen aus Anbiederei.
Es ist mein Wort.
| — | Hubert Fichte, Versuch über die Pubertät, Frankfurt am Main, 1978, S.64 (via universalestate) |
und trägt den Hymnischen über hölzerne Brücken
| — | W. Benjamin (via lupodimore) |
![Schlaf-Mohn
Abseits im Garten blüht der böse Schlaf,
in welchem die, die heimlich eingedrungen,
die Liebe fanden junger Spiegelungen,
die willig waren, offen und konkav,
und Träume, die mit aufgeregten Masken
auftraten, riesiger durch die Kothurne -:
das alles stockt in diesen oben flasken
weichlichen Stengeln, die die Samenurne
(nachdem sie lang, die Knospe abwärts tragend,
zu welken meinten) festverschlossen heben:
gefranste Kelche auseinanderschlagend,
die fieberhaft das Mohngefäß umgeben.
[Rilke: Der neuen Gedichte anderer Teil. ]](http://24.media.tumblr.com/tumblr_lxobgeBGTU1r6gj74o1_500.jpg)
Schlaf-Mohn
Abseits im Garten blüht der böse Schlaf,
in welchem die, die heimlich eingedrungen,
die Liebe fanden junger Spiegelungen,
die willig waren, offen und konkav,
und Träume, die mit aufgeregten Masken
auftraten, riesiger durch die Kothurne -:
das alles stockt in diesen oben flasken
weichlichen Stengeln, die die Samenurne
(nachdem sie lang, die Knospe abwärts tragend,
zu welken meinten) festverschlossen heben:
gefranste Kelche auseinanderschlagend,
die fieberhaft das Mohngefäß umgeben.
[Rilke: Der neuen Gedichte anderer Teil. ]
Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,
Und alle Menschen gehen ihre Wege.
Und süße Früchte werden aus den herben
Und fallen nachts wie tote Vögel nieder
Und liegen wenig Tage und verderben.
Und immer weht der Wind, und immer wieder
Vernehmen wir und reden viele Worte
Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.
Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte
Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,
Und drohende und totenhaft verdorrte…
Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen
Einander nie? und sind unzählig viele?
Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?
Was frommt das alles uns und diese Spiele,
Die wir doch groß und ewig einsam sind
Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele?
Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?
Und dennoch sagt der viel, der ”Abend” sagt,
Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
| — | H. von Hofmannsthal, Ballade des äußeren Lebens. (via lupodimore) |
| — | Walter Benjamin: Träume, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, S.71 (via abendgesellschaft) |


