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sprachwandeln:

Worte als Geschenke.

sprachwandeln:

Worte als Geschenke.

-Aber
Das Wort „aber“ hat keinen guten Ruf. Es ist das Wort der Altklugen, der Nörgler, der Besserwisser, der Mischlinge und Bisexuellen. Es ist das Wort derer, die Bordeaux trinken aus Überheblichkeit, wenn die anderen Bier bestellen aus Anbiederei.
Es ist mein Wort.
Hubert Fichte, Versuch über die Pubertät, Frankfurt am Main, 1978, S.64 (via universalestate)
antje:

word.
(via  almostrocketscience)
lupodimore:

L. Cranach, Allegory of Melancholy, 1528

lupodimore:


L. Cranach, Allegory of Melancholy, 1528

Die Blindheit hat einen göttlichen Rücken,
und trägt den Hymnischen über hölzerne Brücken
W. Benjamin  (via lupodimore)
Schlaf-Mohn
    Abseits im Garten blüht der böse Schlaf,
    in welchem die, die heimlich eingedrungen,
    die Liebe fanden junger Spiegelungen,
    die willig waren, offen und konkav,

    und Träume, die mit aufgeregten Masken
    auftraten, riesiger durch die Kothurne -:
    das alles stockt in diesen oben flasken
    weichlichen Stengeln, die die Samenurne

    (nachdem sie lang, die Knospe abwärts tragend,
    zu welken meinten) festverschlossen heben:
    gefranste Kelche auseinanderschlagend,
    die fieberhaft das Mohngefäß umgeben.
[Rilke: Der neuen Gedichte anderer Teil. ]

Schlaf-Mohn

    Abseits im Garten blüht der böse Schlaf,

    in welchem die, die heimlich eingedrungen,

    die Liebe fanden junger Spiegelungen,

    die willig waren, offen und konkav,

    und Träume, die mit aufgeregten Masken

    auftraten, riesiger durch die Kothurne -:

    das alles stockt in diesen oben flasken

    weichlichen Stengeln, die die Samenurne

    (nachdem sie lang, die Knospe abwärts tragend,

    zu welken meinten) festverschlossen heben:

    gefranste Kelche auseinanderschlagend,

    die fieberhaft das Mohngefäß umgeben.

[Rilke: Der neuen Gedichte anderer Teil. ]

Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
Die von nichts wissen, wachsen auf und sterben,
Und alle Menschen gehen ihre Wege.

Und süße Früchte werden aus den herben
Und fallen nachts wie tote Vögel nieder
Und liegen wenig Tage und verderben.

Und immer weht der Wind, und immer wieder
Vernehmen wir und reden viele Worte
Und spüren Lust und Müdigkeit der Glieder.

Und Straßen laufen durch das Gras, und Orte
Sind da und dort, voll Fackeln, Bäumen, Teichen,
Und drohende und totenhaft verdorrte…

Wozu sind diese aufgebaut? und gleichen
Einander nie? und sind unzählig viele?
Was wechselt Lachen, Weinen und Erbleichen?

Was frommt das alles uns und diese Spiele,
Die wir doch groß und ewig einsam sind
Und wandernd nimmer suchen irgend Ziele?

Was frommts, dergleichen viel gesehen haben?
Und dennoch sagt der viel, der ”Abend” sagt,
Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt

Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.

H. von Hofmannsthal, Ballade des äußeren Lebens. (via lupodimore)
Dieses Meer von Schlaf im tiefen Grunde aller menschlichen Natur hat nachts die Flutzeit; jeder Schlummer besagt nur, daß es einen Strand bespült, von dem es sich bei wacher Zeit zurückzieht. Was zurückbleibt: die Träume, sind - wie wunderbar geformt - doch nur das Tote aus dem Schoße dieser Tiefen. Das Lebendige bleibt in ihm und auf ihm geborgen: das Schiff des wachen Lebens und die Fische als stumme Beute in den Netzen der Künstler.
Walter Benjamin: Träume, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, S.71  (via abendgesellschaft)

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