February 2012
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PSALM
Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unsern...
– P. Celan (via lupodimore)
January 2012
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-Aber
Das Wort „aber“ hat keinen guten Ruf. Es ist das Wort der Altklugen, der...
– Hubert Fichte, Versuch über die Pubertät, Frankfurt am Main, 1978, S.64 (via universalestate)
Die Blindheit hat einen göttlichen Rücken,
und trägt den Hymnischen über...
– W. Benjamin (via lupodimore)
Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen,
Die von nichts wissen, wachsen auf und...
– H. von Hofmannsthal, Ballade des äußeren Lebens. (via lupodimore)
Dieses Meer von Schlaf im tiefen Grunde aller menschlichen Natur hat nachts die...
– Walter Benjamin: Träume, Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, S.71 (via abendgesellschaft)
December 2011
41 posts
Melancholie
Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,
Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.
Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten
Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.
Des Todes ernste Düsternis bereiten
Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen
Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.
...
Melancholie ist eine Form des Widerstands. Und auf dem Niveau der Kunst vollends...
– W.G. Sebald: Die Beschreibung des Unglücks. Zur österreichischen Literatur von Stifter bis Handke, Salzburg/Wien: Residenz 1985, S. 12
(via abendgesellschaft)
Hoffnung - Pandora (Hesiod: erga)
μούνη δ᾽ αὐτόθι Ἐλπὶς ἐν ἀρρήκτοισι δόμοισιν ἔνδον ἔμιμνε πίθου ὑπὸ χείλεσιν, οὐδὲ θύραζε ἐξέπτη: πρόσθεν γὰρ ἐπέλλαβε πῶμα πίθοιο αἰγιόχου βουλῇσι Διὸς νεφεληγερέταο.
Aber die Frau (Pandora) öffnete mit ihren Händen die Glocke und alle Übel entströmten ihr. Allein die Hoffnung blieb am Rande der Glocke und floss nicht mit hinaus, … nach dem Willen von Zeus, dem Wolkensammler.
Hoffnung 6
Die Hoffnung. – Pandora brachte das Faß mit den Übeln und öffnete es. Es war das Geschenk der Götter an die Menschen, von außen ein schönes verführerisches Geschenk und »Glücksfaß« zubenannt. Da flogen all die Übel, lebendige beschwingte Wesen heraus: von da an schweifen sie nun herum und tun den Menschen Schaden bei Tag und Nacht. Ein einziges Übel war noch nicht aus dem Faß...
Hoffnung 5
FAUST.
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gierger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
[Goethe: UrFaust ]
Fluch sei dem Balsamsaft der Trauben!
Fluch jener höchsten Liebeshuld!
Flach sei der Hoffnung! Fluch dem Glauben,
Und Fluch vor allen der Geduld!
…
KLUGHEIT.
Zwei der größten ...
Hoffnung 4
Tod ist Trennung,
Dreifacher Tod
Trennung ohne Hoffnung
Wiederzusehn.
[Goethe: [Gedichte. Nachlese]. ]
Hoffnung breitet lichte Schleier
Nebelhaft vor unsern Blick:
Wunscherfüllung, Sonnenfeier,
Wolkenteilung bring uns Glück.
[Goethe: [Gedichte. Nachlese].]
Hoffnung 3
Da ist keine Hoffnung im Tod; er ist nur eine einfachere, das
Leben eine verwickeltere, organisiertere Fäulnis,
das ist der ganze Unterschied!
[Büchner: Dantons Tod. ]
Und die Hoffnung entfernt selbst von dem Grabe sich nicht.
[Goethe: Gedichte ]
Hoffnung 2
Aber nicht lange, so war das alles, wie ein Licht, in
mir erloschen, und stumm und traurig, wie ein Schat-
te, saß ich da und suchte das entschwundne Leben.
Klagen mocht ich nicht und trösten mocht ich mich
auch nicht. Die Hoffnung warf ich weg, wie ein Lah-
mer, dem die Krücke verleidet ist; des Weinens
schämt ich mich; ich schämte mich des Daseins über-
haupt. Aber endlich brach denn...
Hoffnung 1
Lieber! was wäre das Leben ohne Hoffnung? Ein
Funke, der aus der Kohle springt und verlischt, und
wie man bei trüber Jahrszeit einen Windstoß hört, der
einen Augenblick saust und dann verhallt, so wär es
mit uns?
Auch die Schwalbe sucht ein freundlicher Land im
Winter, es läuft das Wild umher in der Hitze des Tags
und seine Augen suchen den Quell. Wer sagt dem
Kinde, daß die Mutter...
Nacht ist es: nun reden lauter alle springenden Brunnen. Und auch meine Seele...
– Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen, Leipzig 1930, S.113. (via brainexpectingrain, diesebastionbehrisch)
Weil die Sprache die Scham verlernt hat, versagt...
Man verdrängt die Geschichte bei sich und anderen, aus Angst, daß sie einen an den Zerfall der eigenen Existenz gemahnen könne, der selber weitgehend im Verdrängen der Geschichte besteht. Was allen Gefühlen widerfährt, die Ächtung dessen, was keinen Marktwert hat, widerfährt am schroffsten dem, woraus nicht einmal die psychologische Wiederherstellung der Arbeitskraft zu ziehen ist, der Trauer....
Glück ..
Damit Glück substantiell werde, dem Dasein den Tod verleihe, bedarf es identifizierender Erinnerung, beschwichtigender Erkenntnis …
[ Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung: Mensch und Tier.]
Schicksal, Glück, Unglück sind die mythischen Sternbilder einer dialektischen Fahrt, die zweideutig verläuft, weil »auf dem Meer der Möglichkeiten« des bloßen Ich »der Kompaß selbst dialektisch«
...
"Man"
„Diese Durchschnittlichkeit in der Vorzeichnung dessen, was gewagt werden kann und darf, wacht über jede sich vordrängende Ausnahme. Jeder Vorrang wird geräuschlos niedergehalten. Alles Ursprüngliche ist über Nacht als längst bekannt geglättet. Alles Erkämpfte wird handlich. Jedes Geheimnis verliert seine Kraft. Die Sorge der Durchschnittlichkeit enthüllt wieder eine wesenhafte Tendenz des...
Zähle die Mandeln
zähle, was bitter war und dich wachhielt,
zähl mich dazu:
Ich suchte dein Aug, als du’s aufschlugst und niemand dich ansah,
ich spann jenen heimlichen Faden,
an dem der Tau, den du dachtest,
hinunterglitt zu den Krügen,
die ein Spruch, der zu niemandes Herz fand, behütet.
Dort erst tratest du ganz in den Namen, der dein ist
schrittest du sicheren Fußes zu...
Du kannst nicht mehrmals ...
ποταμοῖς τοῖς αὐτοῖς ἐμβαίνομέν τε καὶ οὐκ ἐμβαίνομεν, εἶμέν τε καὶ οὐκ εἶμεν. In dieselben Flüsse sind wir hineingestiegen und sind nicht hineingestiegen, wir sind und wir sind nicht.
Heraklit B49a
http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/texte/etcs/grie/vorsokr/vorso.htm
Auch wenn es uns scheint, als wäre es die “ewige Wiederkehr des Gleichen”, wir müssen es doch versuchen - wenn...
Brauchen ..
Luft zum Atmen, Wasser zum Trinken, Brot zum Essen.
Zum LEBEN?
Intimität
»Das Intime zwischen Menschen ist Nachsicht, Duldung, Zuflucht für Eigenheiten.«
[Theoder W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben: Tisch und Bett. ]
»Je größer eine Intimität zwischen zwei Menschen, desto festerer Schranken bedarf sie.«
[Lou an Nietzsche]
Können.
Nur in die Augen sehen.
Lieblingsgedicht
Hälfte des Lebens
Friedrich Hölderlin
Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde ? Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen.
Red Mist
“There are no more questions when people already have the answers.” P.Cornwell
"Erreichbar, nah und unverloren inmitten der Verluste blieb dies eine: die Sprache"
Paul Celan
Menschen bei Nacht
Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so mußt du bedenken: wem.
Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich...
Büchner: Leonce und Lena.
Komm, Leonce, halte mir einen Monolog, ich will zuhören. Mein Leben gähnt mich an wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus. Mein Kopf ist ein leerer Tanzsaal, einige verwelkte Rosen und zerknitterte Bänder auf dem Boden, geborstene Violinen in der Ecke, die letzten Tänzer haben die Masken abgenommen und sehen mit todmüden Augen...
Ein jeder geht eingehüllt
in den Traum von sich selber.
In manchen Träumen ist...
– Hilde Domin: Fragment, in: Dies. - Der Baum blüht trotzdem, Frankfurt am Main 1999, S.69 (via nokturn)
Mein Leib verspürte in dem ihren seine eigene Wärme und drängte zu ihr, ich...
– Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, In Swanns Welt, Erster Teil Combray, übersetzt von Eva Rechel-Mertens, werkausgabe, Bd.1, Frankfurt am Main 1976, S.11. (via nokturn)